Astrid Petermeier

Neues aus dem Rührgebiet


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Reisend verlesen, lesen statt reisen, lesend verreisen

wenn das kein feiner Zungenbrecher ist – ganz unabsichtlich aus den Tasten geflossen.
Mit dem Sommerurlaub ist es in diesem Jahr so eine Sache: ich muss sagen, dass ich das Wort REISEN fast schon nicht mehr hören kann. Es kommt mir vor, als sei der Sommerurlaub in den Kanon der Menschenrechte aufgenommen. Wer es sich leisten kann, stürzt sich auf die deutschen Urlaubsregionen (da möchte ich jetzt auch nicht wohnen) und wer sich’s nicht leisten kann, stellt sich vor eine Kamera und jault.*
Dabei hindert uns niemand daran, im Kopf zu verreisen. Also zu lesen. Auf dem Sofa, dem Balkon oder im Park. Nach jedem Kapitel eine Runde spazieren, zappeln, rennen – für die Gesundheit, gegen die Corona-Plauze.
Buch-Rezensentin wollte ich noch nie werden. Aber euch meinen Lieblingsschmöker und ein paar selbst geschriebene Sachen empfehlen, das kann ich.

* Schon klar: jetzt wird mir meine arrogante Haltung um die Ohren gebürstet: 1. Zuhause kann man sich nicht erholen, weil z. B. dauernd der Chef anruft. Zwingt mich irgendwer, abzuheben? Hat der ein Recht, mich im Urlaub anzurufen? 2. Du hast ja keine Kinder. Richtig. Aber wer Kinder hat, hat sie auch auf Reisen. 3. Reisen bildet. Volle Zustimmung. Lesen soll der Bildung aber auch nicht gerade abträglich sein und wer mich jetzt noch auf das Elend der Touristikbranche aufmerksam machen möchte, kann gern meinen Beitrag „Der gebildete Fußabdruck“ lesen. Oder diese Sachen:
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Der gebildete ökologische Fußabdruck

Hilft Bildung wirklich für und gegen alles? Immerhin war Bildungbildungbildung in den vergangenen Jahren die Antwort auf viele Fragen. Umso erstaunter war ich, als ich in Aladin El Mafaalanis Buch „Mythos Bildung“ las, dass der ökologische Fußabdruck mit dem formalen Bildungsniveau beeindruckend größer wird.
Eine Untersuchung des Umweltbundesamtes zum Pro-Kopf-Verbrauch von Ressourcen (UBA, siehe Lit.) teilt die deutsche Bevölkerung in Milieus ein. Ich habe für diesen Beitrag die drei ausgewählt, bei denen der Bildungsstand ersichtlich ist und die zugleich die deutlichsten Bildungsunterschiede aufweisen: Weiterlesen →


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Melancholie in der Nordstadt

Eigentlich gehöre ich zu denen, die es gewöhnt sind, viel mit sich allein zu Hause zu sein und zu arbeiten. Dennoch ergreift mich in dieser Corona-Zeit oft eine Stimmung, die ich Melancholie nenne. Dörthe Binkert beschreibt Melancholie als eine Phase zwischen zwei Zyklen, eine Phase, in der ich mir das Alte, Vergangene vergegenwärtigen kann, um es in meine Erinnerung einzuschließen.

Ich habe überlegt, ob ich hier ein wenig zur Geschichte der Melancholie schreiben soll – vielleicht tue ich es noch. Dazwischen funkte mir mein altes Nordstadttagebuch, das ich hervor kramte, um Dörthe Binkerts Tipp zu folgen: vergegenwärtigen wir uns die Vergangenheit.

Teil 1 ist bereits abgetippt, weitere Teile werden folgen. Über Kommentare oder eigene Nordstadt-Erfahrungen würde ich mich riesig freuen.

Da morgen Ostersonntag ist, also der Tag der Auferstehung Jesu‘, an dem er frisch erstanden als erster Person Magdalena begegnete, möchte ich euch noch dieses Gemälde von Jacopo Pontormo ans Herz (an die Brust?) legen. „Noli me tangere“ – berühre mich nicht, sprach Jesus zu ihr und das scheint mir recht gut zur aktuellen Zeit zu passen. Dass Pontormo Humor hatte, steht auf einem anderen Blatt. Wer genauer wissen will, wer Magdalena ist und warum sie als Sinnbild der Melancholie gilt, kann dies gern in meinem neuen Buch „Magdalenas Magischer Moment“ nachlesen. (Sorry, ein bisschen Werbung muss erlaubt sein, denn andere Möglichkeiten des Buchverkaufs haben wir zurzeit nicht.)

Jacopo Pontormo, Noli me tangere, um 1560 (Abbildung aus wikimedia)

ich beziehe mich oben auf:

Dörthe Binkert: Die Melancholie ist weiblich. Hamburg 1995


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Wir sollten unbedingt Vorher-Nachher-Fotos machen

Das fiel mir gestern ein, als ich auf meiner Terrasse buddelte und meinem Frisör zuwinkte, der ein paar Stockwerke höher wohnt.

„Wer geht in Quarantäne-Zeiten schon zum Frisör?“ dachte ich und stellte mir glucksend vor, wie wir alle wohl in ein paar Wochen aussehen: die Locken sprießen, der Stinktierstreifen der Färbenden wird breiter, die rasierte Glatze braucht kein Poliermittel mehr.

Und unsere Balkone, Terrassen, Gärten: wie werden die aussehen, nachdem wir ausreichend Zeit zum Topfen, Pflanzen und Graben hatten? Hier wären jetzt schon mal meine Vorher-Fotos:

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MAGDALENAS MAGISCHER MOMENT – mein neues Buch

Seit dem 3.3.2020 ist es erhältlich und ihr könnt es bestellen:

  • via email bei mir: anunsereine@astrid-petermeier.de

– beim Verlag Tredition oder im Buchhandel.

Es kostet 16,00 € (gebunden oder als E-book) plus  2 € Porto (bei mir, dafür gibt’s auf Wunsch auch eine Signatur). Dafür werden 4 Farbabbildungen und jede Menge Vergleichsbilder in Schwarzweiß geboten.

Was denn nun drinsteht? Bitteschön, hier eine kleine Inhaltsangabe und eine Warnung: ein astreiner historischer Roman ist das nicht!

Rom, 1622

Die Malerin Artemisia Gentileschi hat sich in den Kopf gesetzt, ein Bildnis der Heiligen Magdalena zu malen. Was verbindet sie mit dieser Bibelfigur, die im Zeitalter der Gegenreformation sowohl als Schutzheilige der Prostituierten als auch und vor allem als die große Reuige, die Büßerin betrachtet wird? Weiterlesen →


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Making of meines neuen Buches: „Magdalenas Magischer Moment“

Seit meiner Magistra-Arbeit von 1986 beschäftige ich mich mal mehr, mal weniger mit der Malerin Artemisia Gentileschi. Mit diesem Bild ging es mir bei erster Ansicht  wie mit ihrem Selbstportrait als La Pittura, über das mir die Künstlerin ihrerzeit überhaupt auffiel:

etwas stubbte meine Seele an, berührte mich heftig.
Auf Ruhrdeutsch: „Boh-ey, was ist das denn?“ Weiterlesen →


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Hysterische Zeiten

Nein, ich will jetzt nicht die Hundertste sein, die sich über die gesammelten Corona-Panik-Spökskes auslässt. Bereits seit einiger Zeit fällt mir auf, dass wir in hysterischen Zeiten leben.
Meine Aufmerksamkeit wurde gefangen genommen, als ich zufällig in eine Rate-Spiel-Sendung aus den 60er oder frühen 70er Jahren geriet. ARD alpha bringt sowas manchmal. Es spielten zwei Orte gegeneinander, nennen wir sie Böblingen und Wiblingwerde. Gespielt wurde in Böblingen, die Böblingenden stellten also den Großteil des Studio-Publikums. Weiterlesen →


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Vortrag: Mit Kunst gegen Gewalterfahrung: Artemisia Gentileschi und Niki de Saint Phalle

Ich freue mich, dass das Damenkollektiv aus Neustadt an der Weinstraße mich eingeladen hat, mit diesem Vortrag die Werke zweier Künstlerinnen in den Zusammenhang von Gewalterfahrung von Frauen zu stellen.

Ich freue mich, hinterher zu diskutieren, wo wir unsere Grenzen sehen, wie wir sie setzen und deutlich machen –

und ebenso, wie wir unsere Grenzen und Begrenzungen selbst erfahren, welche Möglichkeiten wir haben oder durch die Kunst erlernen können, über diese Grenzen hinaus zu wachsen.

Eintritt frei, alle weiteren Daten im Flyer des Damenkollektivs:

 


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KUNSTGESCHICHTE TRIFFT AUF ASTROLOGIE

Was sagen Horoskope über das kreative Potential, die Ausdrucksweise einer Künstlerin und ihre/seine Entscheidungen aus? Ich lote diese Fragen immer wieder gern aus und setze meine Ergebnisse in Astro-Stories um. Astro-Stories? Meine Art, ein Horoskop zu erzählen: mal als Streit personifizierter Planeten, mal als … Weiterlesen →


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Zum Frieden gehören der Wille dazu und das Handeln

DAS SÜHNEKREUZ in Hambach/Neustadt a.d. Weinstraße

eine der ältesten Gedenkstätten, die von Deutschen nach dem Krieg errichtet wurden

Es ist wieder so weit: die Herbstferien und die Weinlese stehen vor der Tür und nicht nur Lehrerinnen nutzen diese Zeit, sich an der pfälzischen Weinstraße mit Leckerchen einzudecken. Oder, um mit einem Besuch des Hambacher Schlosses ihre Geschichtskenntnisse aufzubessern. Ein Teil deutscher Geschichte (das Hambacher Fest von 1832), den AfD und andere rechtsradikal Verirrte seit zwei Jahren zu vereinnahmen suchen, wogegen man sich (nicht nur) in Neustadt/W. heftig wehrt – was über die Region hinaus viel zu wenig zur Kenntnis genommen wird.

Es gibt mehr Historisches zu erkunden in Neustadt-Hambach, weshalb ich hier Claudia Dorkas Beitrag über eine Wanderung veröffentliche, der mich sehr berührt hat. Weiterlesen →