Astrid Petermeier

Neues aus dem Rührgebiet

Jette Dorka: Runde Geburtstage

….werden völlig überbewertet.
Ja überbewertet.
Und zwar von allen.
Freundinnen, Bekannte und Angehörige die von der RUNDEN ZAHL Kenntnis haben, fragen an, wie es so gehe, wie frau sich so fühle, was frau sich wünsche und ach, wie frau gedenke zu feiern.
Och, gar nicht!
Ja das könne man und frau verstehen. Also jetzt nicht alle.
Die, die es nicht verstehen können oder wollen, sind zumeist mit prima Ratschlägen gleich bei der Hand: „na nimm das doch nicht so schwer; muss man durch; gute Party gute Stimmung; war doch bis hierhin nicht alles schlecht; nur so geht es mit Schwung in die nächsten zehn Jahre etc.“
Ach, Du feierst!
Ja, das könne man und frau verstehen. Also jetzt nicht alle.
Die, die es nicht verstehen können oder wollen, sind zumeist mit prima Ratschlägen gleich bei der Hand: „na das wird bestimmt viel Arbeit; warte mal ab, die kommen mit so Partyspielchen; och ne, da reden alle immer nur von früher; so geht es doch nie mit gutem Schwung in die nächsten zehn Jahre etc.“
Also wie auch immer frau sich entscheidet, eines ist klar: Unkenrufende und Zwangsbeglückende halten sich bei beiden Varianten tapfer 50:50 die Waage.
Ab so ungefähr 40 ist zudem alle 10 Jahre noch mit folgendem zu rechnen: Glückwünsche von der Hausbank, der Apotheke meines Vertrauens, meinem email-Anbieter, Internetversendern, Vereinen und Parteien – soweit Zugehörigkeit unterschrieben wurde – und dem Optiker; bei dem ich seit Gleitsicht aus Kostengründen nicht mehr bin. Was jetzt dem Optiker egal zu sein scheint. Er hofft, offensichtlich unverändert auf fette Beutel, also bei mir jetzt.
Das nur nebenbei.
Sprich: in Ruhe gelassen wird frau nicht.
Und das wo ich bei rund immer nur an Gewicht denke. Und an Rhönrad. Klar Kreis kommt auch. Aber das ist ja wirklich zu vordergründig.
Wenn ich noch ein bisschen die Augen zulasse, dann kommen mir auch so Assoziationen wie: Auflösung, Transzendenz, ewiger Kreislauf. Gerne gepaart mit Gedanken an Achterbahn, Riesenrad und Karussell.
Ach lasst mich doch in Ruhe!
Ich bin eine tapfere Verfechterin der krummen Zahl.
Mit 10 freute ich mich meinen Teeniezeiten entgegen. Die starteten dann mit 13, inklusive der Pubertät. Mit 18 folgte der langersehnte Führerschein, mit 16 gab es offiziell das erste Bier und der Tabak konnte selber erworben werden. Mit 24 erinnere ich eine geniale Motorradtour in den Alpen. Mit 31 stieg mein Fußballverein ab und ich gleich mit, um dann, mit 33, wie Phönix aus der Asche, Meister zu werden und vor allem im ersten Spiel in post-2.-Liga Ära die Bayern zu verhauen. Dagegen war mein 30ster echt ne öde Nummer.
40?
Baum gepflanzt? Kinder bekommen? Haus gebaut? Rente einbezahlt? Geschlossene Fragen mit offenem Ausgang.
Feiern mit Menschen, deren Haar schütter und deren Bäuche weicher geworden waren über die Jahre? Ach komm, geh weg!
Klar verändern wir uns alle optisch. Und mal ehrlich, das ist jetzt nicht für jede oder jeden von uns schlecht ausgegangen!
Ganz im Gegenteil. Ich sag da nur: Minipli, Oberlippenbremse, Pullunder, Pumphose……..
Aber so mit 40 begann das allgemeine In-sich-Gehen zum Themenbereich: „Hab ich alles erreicht, was ich erreichen wollte?“
Ein Partyschlager ist die Platte nicht. Zumindest nicht in meiner Lebens-Juke-Box.
Dafür aber diese hier: „Karrieremachen ist jetzt echt rum, können wir gleich mit dem Unsinn machen weitermachen!“
Und was für einen: mit 45 geheiratet, heimlich. Mit 43 Riesenradtour über die Alpen, unheimlich. Mit 46 endlose Sommerabende unter freiem Himmel am Wasser verbracht, glückselig. Mit 48 meine-Zeit-ist-mir eingeläutet, großartig. Mit 49 auf-auf-in-Wald-Flur-und-nie-ohne-meine-Scholle-leben.
Ab 51?
Tanzen im Regen? Knutschen unterm Mond? Gedichte rezitieren bei Nacht? oder sich ganz einfach bei einer feinen Tasse Kaffee draußen aufem Balkon freuen, dass ich froh bin.

August 2015

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